Hexenjagd (Wer ist Opfer ?)

Ein neuer Skandal schockiert unser Land !
“Ganz Ostdeutschland ist No-Go Area” und “Neonazis vertreiben Pfarrerfamilie” titelt Welt Online. Selbst in die Tagesthemen schaffte es der “Fall Neuschäfer” am 09.04.08. Die “braven” Bürger, Politiker und die meisten Medien zeigen sich betroffen. Die deutsche Scham- und Schuldkultur zeigt sich von ihrer besten Seite.
Ungeprüft, undifferenziert, intollerant !
Was war geschehen ?
Familie Neuschäfer lebte 7 Jahre in Rudolstadt, 2007 hielten sie es nicht mehr aus und flohen. Sie mussten vor den fremdenfeindlichen Attacken der Rudolstädter flüchten. Die Frau des Pfarrers ist indischstämmig, auch den Kindern sieht man dies natürlich an. Dies, so Neuschäfer war der Grund für Anfeindungen, Diffamierungen und Schmähungen.
Frau Neuschäfer sei beschimpft und bespuckt wurden, die Kinder hätte man Nigger genannt, in der Schule wurde der Sohn Jannik verprügelt, in einem Geschäft wurde seine Frau nicht bedient. Neuschäfer beschuldigt aber keine Gruppe von Rechtsradikalen, Neuschäfer im Interview der Welt Online:

Neuschäfer: Wir hatten schon den Eindruck, dass die Wurzeln dieser Ressentiments tiefer reichen. Das hat nichts mit dem Rechtsradikalismus zu tun, der gerne einer kleinen Gruppe von Springerstiefelträgern zugeschrieben wird. Nein, dieses Verhalten ist auch von einem Kollektivdenken motiviert: Wir gegen die Anderen! Dazu kommt eine soziale Komponente. Wenn sich Menschen selber als Menschen zweiter Klasse fühlen, ist es leicht, andere als Menschen dritter Klasse zu behandeln.

Neuschäfer klagt die breite Mitte an, nicht einige wenige Personen, deren Namen Neuschäfer nicht nennt, nicht ein paar wenige Rudolstädter, die sich im Wort vergriffen haben, nein es geht um das ganz Große, der Osten ist fremdenfeindlich, so Neuschäfers Feststellung !

Das erste was auffällt ist, das keine konkreten Namen genannt wurden.
Der nächste Punkt ist der Aufschrei der Rudolstädter, deren Aussagen lassen den Fall in einem gänzlich anderen Licht erscheinen.
Zunächst der Rudolstädter Nachbar Neuschäfers, der in einem offenen Brief an die OTZ schreibt “Lieber Rainer, das geht zu weit” (da der Leserbrief bei der OTZ nicht mehr verfügbar ist, erlaube ich mir ihn hier zu zitieren)

Lieber Rainer Neuschäfer, seit Jahren sind wir Nachbarn, haben in Eurem schönen Hof so manchen schönen Abend verbracht. Meine Kinder sind Fans von Dir, Du hast meinen pubertierenden Kindern leichter Erkenntnisse vermitteln können, als ich das als Vater jemals konnte. Und Du hast es gut gemacht, wofür ich Dir danke. Unsere Nachbarschaft hat sich in dem Rahmen entwickelt, der uns und Euch möglich war -zugegeben ist die Freizeit in einem Arbeitsalltag, der den Menschen in einer immer schneller werdenden Welt immer mehr abfordert, knapp bemessen. Darunter leiden soziale Beziehungen, darunter leidet Kommunikation - darunter leidet Integration, und nicht nur die von Ausländern. Dennoch waren die Gärten und Höfe der Weinbergstraße immer Treffpunkt, wo wir uns an gemeinsamen Abenden das Leben schön gemacht haben.

Eure Familie hatte in der Weinbergstraße eine wahrlich vortreffliche Heimstätte. Eure Nachbarn haben Euch herzlich aufgenommen, Eure Kinder wurden geliebt, Ihr wurdet in das Hausleben integriert, wovon viele nur träumen können. Der Zusammenhalt der näheren Nachbarschaft ist über Jahre gewachsen und ihr seid auch ein Teil von ihr. Eine solch wunderschöne Erfahrung ist vielen “Einheimischen nicht vergönnt. Seit Deiner schweren Krankheit im Oktober vergangenen Jahres seid Ihr weg.

Im Fernsehen sah ich eben Euer Haus in der Weinbergstraße, Euer Interview. Ein Haus, in dem über ein Jahrzehnt beim TFF Weltoffenheit praktiziert wird, in dem Toleranz gelebt wird, steht nunmehr als Synonym für Ausländerfeindlichkeit in Rudolstadt. Artikel im Spiegel und der Boulevard-Presse berichten von normalen Rudolstädter Bürgern, die Euch angepöbelt, bespuckt und verprügelt haben.

Warum weiß ich nichts davon? Sprachen wir darüber? Nein! Oder reden wir über die Schulhofprügelei Eures Sohnes? Dann erwartet mit Spannung die nächsten Jahre in der Entwicklung eines kleinen aufgeweckten Jungen!

Das von Euch gezeichnete Bild Eurer Rudolstädter Zeit verletzt! Kein Wort von Euch über das Leben jenseits Eurer erlittenen Demütigungen! Denen, die Euch geholfen haben und zu Euch standen, habt Ihr Unrecht angetan. Diejenigen, die Euch das Leben schwer gemacht haben, verschont Ihr, da Ihr sie nicht benannt habt. Nach Hilfe habt Ihr nicht gesucht. Ihr richtet nunmehr mit medialem Schwert! Dagegen ist im Medienzeitalter kein Kraut gewachsen, Rudolstadt hat nun das ausländerfeindliche Image! Lieber Rainer, das geht zu weit!

Was auch immer Euch verletzt hat, welches Unrecht Euch angetan wurde - angesichts Eures stets hilfsbereiten und entgegenkommenden Freundeskreises stehe ich der gegenwärtigen Situation fassungslos gegenüber! Keiner hätte Euch Hilfe verweigert, so Ihr Probleme angesprochen und Hilfe eingefordert hättet! Ihr habt geschwiegen und seid gegangen! Das ist traurig.
Mit einer ehrlich geführten Diskussion hättet ihr für euch und für Rudolstadt vermutlich mehr erreicht als mit einer wahrheitsverzerrenden Medienschlacht. Letztlich macht ihr für euer Schicksal eine ganze Stadt verantwortlich und ihr reißt alle Brücken hinter euch ein. Brücken, die bis zur Veröffentlichung dieser Artikel standen. Aber ist denn die mediale Begründung einzig wahr - wahrhaftig?

Auch die Erzieherinnen aus Schule und Kindergarten stellen den Fall ganz anders dar: Link 

“Er hat unsere fachlichen und kommunikativen Fähigkeiten in Frage gestellt. Das ganze Team war sehr aufgewühlt, bald mischte sich Angst dazu.” Sie schildert Situationen, die sehr heikel waren. Sie erinnert sich an ein Entwicklungsgespräch. “Dabei ging es um die Integration der Kinder in die Gruppe, in den Tagesablauf. Um ganz einfache Dinge, die dann so dargestellt wurden, als ginge es um die Integration anders Aussehender, damit hatte es aber nichts zu tun”, blickt sie zurück. “Wir hatten zu diesem Zeitpunkt ein Projekt unter dem Motto ‘Eine Reise um die Welt’, dabei haben wir auch Indien betrachtet. Wir haben das Anderssein mit den Kindern besprochen”, schildert sie. Andererseits sei es Frau Neuschäfer auch schwer gefallen, sich an Regeln der Hausordnung zu halten. “Es ging immer um Regularien, nie um Konflikte mit den Kindern”, stellt sie klar. 

Eine Schulhofprügelei wird nicht alleine dadurch, das einer der Beteiligten eine andere Hautfarbe hat zu einem rasistischen Übergriff. Der Sohn Jannik wird, so auch vom Pfarrer Martin Weiss als alles andere als ein Unschuldslamm beschrieben:

 In einem Gottesdienst, erzählt Weiss, habe Neuschäfers Sohn Jannik („ein ausgesprochen aggressives Kind“) ein Gesangbuch auseinander genommen. Trotz Aufforderung eines Kirchenältesten sei der Vater nicht eingeschritten. Beleg einer antiautoritären Erziehung, die für Disziplin-gewöhnte Ostdeutsche ein Kulturschock ist? Neuschäfer sagt, Rudolstadts Superintendent Peter Taeger habe ihn einen „arroganten Wessi“ genannt. „Das kann ich mir nun wirklich nicht vorstellen“, entgegnet Pfarrer Weiss.

Sicherlich wird es die eine oder andere Mobbingattacke gegeben haben. Aber so etwas kann jeder unabhängig von Hautfarbe oder Herkunft erleben. Jeder !
Neuschäfer projiziert jedoch persönliche Probleme auf eine ganze Gesellschaft. Die aktuelle Berichterstattung ist Neuschäfers private Rache.

Was Neuschäfer damit angerichtet hat, wird die Zukunft zeigen. Die Opferrolle verschiebt sich! Rudolstadts Ruf ist jedenfalls angekratzt. In der Stadtverwaltung gingen schon hunderte Hassmails wie diese ein.

“Mein Solidaritätszuschlag war nicht dazu gedacht, den Rassismus zu finanzieren. Um Ihre Stadt werde ich einen großen Bogen machen”.

Als Pfarrer sollte Neuschäfer ja das 8. Gebot kennen. Du sollst nicht falsch Zeugnis reden gegen Deinen Nächsten. Nun hat er dieses Gebot gleich millionenfach gebrochen, denn er diffamiert durch seine Kampagne Millionen Menschen (nicht nur) in Ostdeutschland ! 

One Response to “Hexenjagd (Wer ist Opfer ?)”

  1. Ja, wenn man sich als Gutmensch feiern lassen will, zeigt man am Besten auf irgendjemand X-beliebigen und sagt “Nazi”…

    Alles wie gehabt=(

Leave a Reply

You must be logged in to post a comment.